Pflegefachkräfte für Krankenhäuser gewinnen: Strategien gegen dauerhaft unbesetzte Stellen
In einer Berliner Klinik mit 420 Betten dauert es derzeit durchschnittlich neun Monate, um eine offene Stelle in der Intensivpflege zu besetzen.
Internationale Pflegekräfte einstellen: Wie Krankenhäuser fair, transparent und planbar rekrutieren können
Zurück zum BlogIn einer Berliner Klinik mit 420 Betten dauert es derzeit durchschnittlich neun Monate, um eine offene Stelle in der Intensivpflege zu besetzen. Die Personalleitung hat gleichzeitig drei verschiedene Vermittlungsagenturen im Einsatz, zahlt pro platzierter Fachkraft zwischen 8.000 und 12.000 Euro, und die Fluktuation im ersten Jahr liegt bei 40 Prozent. Das ist kein Einzelfall. Über 200.000 Pflegestellen in Deutschland sind unbesetzt, und der klassische Vermittlungsmarkt bietet keine verlässliche Antwort mehr. Internationale Rekrutierung funktioniert — aber nur, wenn sie transparent, fair und mit klaren Prozessen aufgebaut wird. Warum klassische Personalvermittlung im Pflegesektor nicht mehr funktioniert Die meisten Krankenhäuser arbeiten mit Personaldienstleistern, die auf Provisionsbasis agieren. Das Modell ist einfach: Vermittler suchen Kandidaten, organisieren Dokumente, kassieren eine Platzierungsgebühr zwischen 6.000 und 15.000 Euro pro Person. Was dabei fehlt, ist Verbindlichkeit. Wenn eine Fachkraft nach drei Monaten kündigt, bleibt das Problem beim Arbeitgeber. Die Agentur hat längst abgerechnet. Dazu kommt die fehlende Transparenz im Prozess. Viele Einrichtungen wissen nicht, wo sich ihre Kandidaten im Anerkennungsverfahren befinden, wann die Arbeitserlaubnis vorliegt oder ob überhaupt alle Unterlagen nach § 6 Abs. 2 FEG eingereicht wurden. Das Ergebnis: Wartezeiten von zwölf Monaten und mehr, während sich die Personalsituation auf den Stationen weiter verschärft. Die versteckten Kosten intransparenter Rekrutierung Ein Fallbeispiel aus einem Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen: 14 philippinische Pflegekräfte wurden über eine Agentur rekrutiert. Zeitrahmen: 18 Monate vom ersten Kontakt bis zur Arbeitsaufnahme. Von den 14 Personen traten acht die Stelle nie an — teils wegen verzögerter Anerkennungen, teils weil andere Arbeitgeber schneller waren. Die Klinik hatte bereits Vorauszahlungen geleistet und Wohnungen angemietet. Gesamtschaden: knapp 92.000 Euro, ohne dass eine einzige Person tatsächlich eingestellt wurde. Solche Fälle sind keine Ausnahmen. Sie zeigen, wie riskant Rekrutierung wird, wenn es keine verbindlichen Meilensteine, keine echte Verpflichtung auf beiden Seiten und keine transparenten Prozesse gibt. Internationale Rekrutierung braucht eine andere Grundlage.…
Artikel Pflege & Gesellschaft 1/2017
Artikel Pflege & Gesellschaft 1/2017 Stärkung der Pflege in der Primärversorgung in Europa: die Bedeutung einer positiven Praxisumgebung Sally Kendall, Rosamund Bryar 22. Jahrgang 1 (2017) Seite 5-18 ISSN 1430-9653 Strengthening primary health care nursing in Europe: the importance of a positive practice environment Nurses, form one of the most important groups of human resources for health in Europe – also and especially in primary health care. In this paper it is argued that to support and develop the practice of nurses in primary care, the World Health Organization initiative of Positive Practice Environments should be examined, implemented and the outcomes of such an innovation subjected to rigorous research. Having reflected on the central place of primary health care in all health systems, the evidence concerning the position of nursing in primary health care is considered and innovative models of community based nursing examined. A tool, the ‘roadmap’, which may be used to examine the current position of nurses in primary health care is outlined and the context within which the ‘roadmap’ sits, Positive Practice Environments, is then considered in detail. The paper concludes with recommendations for changes in the organisation of primary health care nursing, drawing on the available evidence, and urging the need for implementation and research into Positive Practice Environments to strengthen primary health care and the value of primary health care nursing to be fully realised. The tool could be also helpful to develop primary health care nursing in Germany where, traditionally, primary health care has been fragmented and based on a single disease model. Keywords Human Resources for Health, Positive Practice Environments, Primary Care, Primary Health Care Nursing Die Gruppe der Pflegenden bildet eine der wichtigsten Ressourcen für Gesundheit in Europa – auch und besonders in der Primärversorgung. In diesem Beitrag wird dafür plädiert, die Initiative der Weltgesundheitsorganisation zu positiven Praxisumgebungen (Positive Practice Environments) für die Weiterentwicklung und Stärkung der Pflege in der Primärversorgung zu prüfen, zu implementieren und die Ergebnisse zu untersuchen.…
Internationale Pflegekräfte-Rekrutierung in Deutschland: Was an der Indien-Pipeline 2026 wirklich dran ist
Zurück zum BlogDas deutsche Gesundheitswesen ist so stark wie nie auf internationales Personal angewiesen, und Indien ist das am schnellsten wachsende Herkunftsland. Doch die Schlagzeilen dieses Jahres haben drei unterschiedliche Dinge vermischt: ein reales, konkretes Rekrutierungsprojekt von Dezember 2024, eine breite politische Erklärung vom Januar 2026 – und ein damit nicht zusammenhängendes innerdeutsches Pflegegesetz, ebenfalls vom Januar 2026. Hier eine saubere Trennung, was was ist, und was das für Arbeitgeber bei der internationalen Rekrutierung bedeutet. Die Zahlen hinter der Dringlichkeit Pflege ist laut Bundesagentur für Arbeit offiziell der zweitgrößte Engpassberuf in Deutschland. 2024 blieben über 17.600 Vollzeitstellen in der Altenpflege und rund 15.000 in der Krankenpflege unbesetzt. Die Vakanzzeit für examinierte Pflegefachkräfte liegt regelmäßig über 200 Tagen, und 2023 kamen bundesweit nur etwa 44 arbeitslose Pflegefachkräfte auf 100 offene Stellen. Langfristig wird die Lage eher schlechter als besser. Bleiben Ausbildungszahlen und Zuwanderung auf dem aktuellen Niveau, geht die Bundesagentur für Arbeit davon aus, dass die Lücke bis 2035 auf über 300.000 Pflegekräfte anwachsen könnte. Das Statistische Bundesamt (Destatis) prognostiziert, dass Deutschland bis 2049 je nach Szenario zwischen 280.000 und 690.000 mehr Pflegekräfte benötigen wird, als dann voraussichtlich verfügbar sind. Von Osteuropa nach Süd- und Südostasien Mehr als 350.000 Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit arbeiten inzwischen in Deutschland — etwa jede fünfte Pflegekraft, gegenüber rund 18 Prozent im Jahr 2024. Laut Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl ausländischer Pflegekräfte seit 2013 etwa vervierfacht, und seit 2022 geht das gesamte Beschäftigungswachstum in der Pflege praktisch ausschließlich auf ausländisches Personal zurück. Verändert haben sich dabei die Herkunftsländer. Deutschland warb traditionell in Osteuropa an — Polen, Rumänien, Bosnien-Herzegowina. Mit steigenden Löhnen und Lebensstandards dort hat sich dieser Zustrom verlangsamt, und Rekrutierer wenden sich zunehmend Indien, Indonesien, den Philippinen und Vietnam zu.…